20. Mai 2009, 20.00Uhr, Hans Huber-Saal, Basel
27. Mai 2009, 20.00Uhr, Marianischer Saal, Luzern
28. Mai 2009, 19.30 Uhr, Helferei, Zürich
06. Juni 2009, 20.00Uhr, Pavillon Ikarus, Oberwil
24. Juli 2009, 21.00, Ticino Musica, Lugano
Barbara Bossert (Flöte), Martina Brodbeck (Cello), Ingrid Karlen (Klavier)
Das Projekt trägt den Titel "Espace" nach der gleichnamigen Komposition von Isang Yun für Cello und Klavier.
Programm:
Nadir Vassena
5 stanze buie (Auftragswerk)
Flöte, Cello und Klavier
Isang Yun
Espace I
Cello und Klavier
Kaija Saariaho
Noa-Noa
Flöte und Elektronik
Franghiz Ali-Sade
Three Landscapes (UA)
Flöte, Cello und Klavier
Anmerkung zu 5 stanze buie
5 dunkle Räume ist die Suche nach etwas, das sich dem musikalischen Erlebnis unmittelbar öffnet - jenseits der Virtuosität von Komposition und Ausführung. Musik nicht als Kunst, sondern als spirituelle Übung. Es ist der Versuch, die Kunst - insofern sie Wiedergabe ist - hinter sich zu lassen, ohne dem Mystizismus und oder der Metaphysik zu verfallen. Auch soll sie keine Sehnsucht nach dem Verlorenen wecken. Die Musik ist nicht Trost, das wäre ein pathetisches Unterfangen. In diesem Stück bewegen sich die drei Musikerinnen und die Zuhörer in einem bekannten/unbekannten Feld: Fünf "bekannte" Räume sind Erinnerungen an den dritten Teil (jenen vom Mittwoch) des Werks Leçons de Ténèbres à une et deux voix von François Couperin. Wir bewegen uns aber im Dunkeln, wir wissen, dass wir vielleicht Dingen begegnen werden, aber weil es an Licht fehlt, verändern sich die Formen, die Lage, die Zeit. Die Interpretinnen sind wie Seiltänzerinnen, sie werden im Leeren und Dunkeln gelassen, schwebend, ohne Auffangnetz. Sie müssen dies zu Gehör zu bringen und das Publikum an dieser Erfahrung teilhaben lassen. Man hört nicht mehr "jemanden" oder "etwas", man ist im Zuhören vereint. Die Empfindung des Ausgesetztseins der Interpretinnen überträgt sich auf die Zuhörenden.
Flötistin und Pianistin haben durch das ganze Stück hindurch die Augen verbunden: Sie sehen nichts, aber sie hören. Sie kennen die "Partitur" auswendig, wissen manchmal, was zu tun ist - manchmal, wann dies sein soll - manchmal, auf was sie reagieren, auf wen sie hören, mit wem sie sich verbünden müssen. In den Partien, in denen die Musik von Couperin anklingt, geht die Flötistin ganz langsam von einer Seite des Saals zur anderen. Die Cellistin befindet sich als einzige in einer "normalen" Lage: Sie sieht, kann die Partitur lesen und die anderen hören, aber sie wird allein gelassen. Die Partitur schwingt hin und her zwischen der Komposition und einer speziellen Technik der Gegenkomposition, wo nur Möglichkeiten der Ausführung zwischen den Ereignissen angegeben werden, die eintreten können/nicht können, müssen/nicht müssen. Die Interpretinnen müssen keineswegs "Tricks" ausdenken, um das Unbehagen dieser Situationen zu umgehen. Die Notwendigkeit, die geschriebene Musik zu durchbrechen ist gleichzeitig die Suche nach einer neuen Art zu hören. Man darf nicht "improvisieren", in einem dunklen Raum tanzt man nicht! Man tastet sich langsam vor, darauf gefasst, jeden Moment an einem vergessenen Hindernis anzustossen: Freut euch darauf.
nv